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Montag, Juli 23, 2007

David Gray @ KKL Luzern

Gestern Abend begab sich der ehrenwerte David Gray ins KKL. Der Saal war brechend voll. Das erstaunte mich, und auch David Gray selbst. Er startete mit einer halben Stunde Verzögerung, dann aber ziemlich rassig. Kein grosses flirten mit dem Publikum, vorerst keine Demonstration seines trockenen Humors, dafür gings gleich los mit life in slow motion.
Nach den ersten zwei Stücken, die er zügig und ohne allzuviel sichtliche Hingabe spielte, begann er mit dem Publikum zu kommunizieren. Er erklärte, dass er sich bei diesem Scheisswetter fast dazu genötigt fühle, seine melancholischsten Songs zu spielen. Dabei hielt er sich vor allem an Lieder von seinen ersten CD's, die bestimmt noch nicht zu den Kassenschlagern gehörten. Das tat der langsam aufsteigenden Faszination allerdings überhaupt keinen Abbruch, denn David Gray sang die Stücke mit zunehmend mehr Einsatz und Hingabe. Seine samtig-rauchige Stimme verursacht ein Kribbeln im Bauch, Hühnerhaut am ganzen Körper und lässt einen abwechselnd lächeln und dann wieder völlig in Gedanken versinken.
Er kündigte die Songs an, und erzählte jeweils eine kurze Geschichte dazu. Zum Song "hold on to nothing" vom Album "sell sell sell" meinte er: "the whole album didn't sell much more than three times, hahaha! So this song is dedicated to all the wankers from the record!" Damit war das Eis endgültig gebrochen, und David Gray legte eine Show hin, die jeden Animateur blass werden lassen hätte. Zeitweise konnte er kaum mehr Singen vor lauter lachen, und das Publikum tobte mit.
Dass er ein Meister des Improvisierens ist, bewies er kurz nachdem er das Piano gelobt hatte. Es sei ein wirklich tolles Modell, nicht so wie in vielen der Clubs, wo er schon gespielt habe. Oft werde nämlich ein Piano angekündigt, und was dann wirklich dort steht, ist eine zusammengezimmerte Katastrophe aus Überbleibseln des zweiten Weltkrieges. Alle lachten, David begann "This years lovin" zu spielen, und das tolle Piano gab unverzüglich seinen Geist auf. Es gab ausschliesslich ächzende Töne von sich, weil offenbar ein Mikro irgendwo reingefallen war. Doch statt abzubrechen, sang David a capella weiter. Mit freundlicher Unterstützung des Publikums.
Reparieren liess sich das über den grünen Klee gelobte Piano leider nicht mehr, und so wurde ich um mein Lieblingslied "Disappearing world" gebracht. Ob das überhaupt auf der Songlist stand, weiss ich nicht. Aber es ist einfacher, dem Piano die Schuld zu geben!
Nach guten 1.5 Stunden verabschiedete sich die Band, hatte jedoch keine Chance sich aus dem Staub zu machen. Das Publikum klatschte sie so kompromisslos wieder auf die Bühne, da hätte selbst die Queen nicht aufgemurkst. Erste Zugabe war "sail away", einer der wirklich grossen Hits. Und als zweite Zugabe spielte die Band "Night blindness". Das Publikum schien jeden Ton dieses unglaublich schönen Liedes aufzusaugen. Nicht mal den Ansatz eines Klatschen war zu hören, als das Lied nach 4 Minuten eigentlich zu Ende gewesen wäre. Also spielte die Band weiter und weiter, begann eine richtige Jam-Session. David Gray kam noch einmal richtig aus sich heraus, der Mann am Bass wog sich mit seinem Instrument als wäre er am tanzen, und die Elektro-Gitarre gab klagende aber wunderschöne Töne von sich. Die Päärchen im Saal schienen alle so nahe aneinander zu rutschen dass sie fast miteinander verschmolzen, und es herrschte bis zum allerletzten, wirklich sehr leisen Gitarren-Ton absolute Stille. Das Lied hatte gute 10 Minuten gedauert, und allen war klar, dass danach Sense ist. Trotzdem hatte der Mann auf der Bühne die ungeteilte Aufmerksamkeit von fast 1900 Menschen. Die dann allerdings, sobald der letzte Ton verklungen war, in sehr ungestümes Jubeln ausbrachen.
Fazit: Am liebsten sofort wieder!
Songlist, leider nicht ganz vollständig.
20.30 life in slow motion
..... Long distance call
20.54 Almost see the sea
21.09 Late night radio
21.16 Hold on to nothing
21.21 Babylon
21.25 1000 miles behind
21.34 One with the birds
21.38 Baby you're the world to me
21.43 Shine
21.51 This years lovin
21.58 Rollin
22.04 Nobody knows but me
22.10 Sail away
22.21 Nightblindness