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Dienstag, Juli 17, 2007

Zürich von schräg oben

Gestern Abend war ich mit Freunden Essen und über Passanten lästern. Dafür ist Zürich eben so gut geeignet wie die ganzen Mode-Mekkas der Welt. Aber anders als in Mailand und Paris laufen in Zürich nicht die Models in den verrücktesten Kleider rum, sondern die Möchte-Gerns. Und das ist zum schreien. Unsere Reaktionen reichten von leichtem Brechreiz bis zu fast herausfallenden Augen.

Das Essen war hervorragend, Tagliatelle mit Pesto al Genovese. Nach dem halben Teller war ich eigentlich satt, aber ich konnte nicht aufhören zu essen. Dazu noch ein Campari Orange, und die Welt hätte gar nicht schöner sein können.

Nach dem Essen spazierten wir über die Sechseläuten-Wiese, wo immer noch Hallligalli-Betrieb vom Zürich-Fest von vor zwei Wochen her ist. Ganz viele Stände, Schiessbuden, Zuckerwatte bis zum geht-nicht-mehr, und ganz, ganz viele Bahnen. Ich phantasierte vor mich hin "da will ich drauf, und da, und, oh, da auch! kommt wir gehen da rauf!!" Meine Kollegen starrten mich entsetzt an, was mich dazu brachte, noch enthusiastischer zu bluffen. Der Schuss ging voll nach hinten los, denn plötzlich drückte mir einer satanisch grinsend einen Chip in die Hand. Da war ich erst mal ruhig. Allerdings liess es mein Stolz nicht zu dass ich kneifte, und so machte ich mich todesmutig und schwer schluckend auf in die Todeszone.
Mir einredend, dass das doch nur ein bisschen schaukeln ist, und bestimmt ganz lustig. Mein Magen, randvoll mit Tagliatelle, würde wahrscheinlich nicht mal merken, dass ich nicht mehr am Boden war. Ja, so würde das klappen! Dazu Augen zumachen und einfach die Kräfte geniessen, die da auf einen einwirken.

Phiüüüü! Leicht käsig, schwankend und sehr, sehr zerzaust kam ich wieder runter von der Bahn. Mein Magen liess sich nicht lange täuschen, und machte mir unmissverständlich klar dass er solche Ausflüge überhaupt nicht schätzt. Doch dieses Mal liess er mich ungeschoren davon kommen.

Viel, viel später assen wir ein Glacé, und ich, die IMMER Schoko oder Stracciatella nehme, probierte eine neue Sorte aus. Schrok. Anders gesagt: die überreste von sämtlichen anderen Sorten, zusammengemischt und mit Nüssen aufgepimpt. Too much. Ich bin froh war ich davor auf dieser chaos-Bahn!

Und was lehre ich aus dem ganzen: Von allzu aufregenden Mischungen wird mir schlecht, und manchmal wäre es nicht die blödeste Idee, das Maul zu halten und auf dem Boden zu bleiben.